CoBra übernehmen sie!
Rettet Bad Nauheimer Unternehmensberaterin die Commerzbank? 24jährige Nicole Munk demontiert legendären Banker Ludwig Poullain und den „Kölner Hai“ Clemens Vedder - Milliardenbetrug?
Was hat Bad Neuheim mit der Großfinanz zu tun? Das verschlafene hessische Kurstädtchen wird in den nächsten Wochen höchstwahrscheinlich in die Wirtschaftsgazetten vorstoßen und durch eine ihrer Einwohnerinnen vielleicht zum Retter der Frankfurter Bankenwelt. In ihrem juristischen Gutachten das die 24jährige Jura-Studentin Nicole Munk für ihre gebeutelten Mandanten Dieter und Johannes Löbbert (Begründer des riesigen Recyclingkonzerns Euro Waste Service - EWS - in Westfalen) ausgearbeitet hat, weist sie dem deutschen Vorzeige-Banker und Ex-Chef der Westdeutsche Landesbank, Ludwig Poullain (80) - er dirigierte die letzten anderthalb Jahre als Treuhänder und Verwalter der EWS die Geschicke des Konzerns - vorsätzliche Pflichtverletzungen in Zusammenarbeit mit den gleichen Finanzjongleuren nach, die seit mehreren Monaten zum Großangriff auf die Commerzbank geblasen haben.
In ihrem 318seitigen Gutachten führt die junge Marathonläuferin und stellvertretende Vorsitzende der Nauheimer Jungen Union haarklein auf, wie der angebliche Saubermann Poullain und seine Mitstreiter Clemens Vedder (Ex-Schatzmeister des Eishockey-Teams "Kölner Haie") und Hans-Joachim Ziems den Recyclingkonzern der Löbberts vorsätzlich auseinandergenommen und sich dabei zig Millionen in die eigene Tasche gesteckt haben sollen.
Während Nicole Munk in den letzten beiden Monaten immer schärfer formulierte Briefe an Poullain schickte, in denen sie den 80jährigen aufforderte, seine Bilanzen aus seiner EWS-Verwalter-Tätigkeit offenzulegen, arbeitete sie in der Zwischenzeit von Bad Nauheim aus an dem umfangreichen Gutachten. Nachdem laut Gutachten Poullain zunächst veranlasst hatte, dass Vedder und Co. wertvolle Unternehmensbeteiligungen für Null Mark (!) Kaufpreis übernehmen konnten, verdienten die neuen Eigentümer sich gleich danach eine goldene Nase, indem sie eine 50,01 %ige Beteiligung an einem spanischen Unternehmen für 335 (!) Millionen Mark verkauften. Poullain selbst erhielt über seine Beratungsfirma „Neue Raben“ von der "Commerzbank"-Connection um Vedder 5,8 Millionen Mark Honorar. Und das ist nicht alles: Beim Verkauf der EWS an Vedder und Ziems - übrigens laut Nicole Munk gegen den Willen der Löbberts - brachte Poullain die 42 Gäubigerbanken des Konzerns auch noch dazu, einen Forderungsverzicht von 600 Millionen Mark zu unterschreiben. Zu dieser riesigen Summe des Forderungsverzichts war es gekommen, weil der legendäre Bankier Poullain den Kreditinstituten ihre "Dusseligkeit" vor Augen führte, die sie dazu veranlasst hatte, den Löbbert-Brüdern und deren Unternehmen schubkarrenweise Geld in den Rachen zu schmeissen, ohne auch nur einen Einblick in die Geschäftszahlen des Recyclingkonzerns zu verlangen. Dieser Forderungsverzicht kam natürlich nur den neuen Eignern der EWS zugute - die Löbbert-Brüder gingen leer aus und sind somit die Angeschmierten. Sie haben kein Unternehmen mehr, dafür aber jede Menge Schulden.
Ähnlich schlecht könnte es auch den Commerzbank-Leuten ergehen, denn die CoBra (eine niederländische Beteiligungsgesellschaft in der Hand von Vedder und Konsorten), hat ihren Aktienanteil an Deutschlands viertgrösster Privatbank auf 17% aufgestockt. Schon jetzt erinnert die Zurückhaltung des Commerzbank-Aufsichtsrats an die Blauäugigkeit der 42 Gläubigerbanken der EWS. Den geplanten CoBra-Coup, nämlich das Aktienpaket an einen zahlungskräftigen Käufer loszuwerden, hat CoBraGeschäftsführer Hansgeorg Hofmann bereits kürzlich auf der Hauptversammlung der Commerzbank AG in Frankfurt verlauten lassen. Damit wäre es mit der Unabhängigkeit der Commerzbank vorbei, noch schlimmer: ihre Zukunft läge - wie der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre es formulierte - in den Händen der CoBra, die wie die Giftschlange mit dem gleichen Namen nur "Verderbnis und Tod" bringe, dafür aber keine "Problemlösungen" biete.
Das Gutachten Nicole Munks bestätigt diese bösen Vorahnungen, denn dort ist zu lesen, dass Vedder, der seine "Geschäfte“ mittlerweile vom sonnigen Florida aus tätigt, beabsichtige, sich das Insiderwissen des erfahrenen Bankiers Poullain zu Nutze zu machen und ihn als "dealbreaker" beim Erwerb der Commerzbank-Aktien einzusetzen, um vor allem die Sparte des lukrativen lnvestmentbanking zu übernehmen. Munk hat den Finanzhaien jetzt jedoch erstmal einen schweren Schlag versetzt, denn ihre Vorwürfe und Beweise könnten die Berliner Bankenaufsicht dazu bringen, die Seriosität der "Commerzbank-Connection" stark anzuweifeln. Damit würde verhindert, dass die Investoren ihren Anteil auf 30% ausdehnen könnten, um dieses riesige Paket mit einem gewinnträchtigen Aufschlag an einen finanzstarken Partner zu verkaufen. Dank einer Unternehmensberaterin aus Bad Nauheim könnte die aufgebrachte Frankfurter Bankenwelt erstmal aufatmen.
Schon seit einiger Zeit beschäftigen sich die Medien mit dieser Geschichte, durch das Gutachten der 24-jährigen Rödgenerin werden Funk und Fernsehen wohl auch wieder mit reichlich Material gefüttert werden.
Hintergründe nachzuschlagen in:
DER SPIEGEL (Ausgabe Nr.18 vom 1.5.2000/Seiten 84-86), FOCUS (Ausgabe Nr. 18 vom 29.4.2000/Seiten 278-280), DER SPIEGEL (Ausgabe Nr. 21 vom 22.5.2000/Seite 84), WIRTSCHAFTSWOCHE (Ausgabe Nr. 19 vom 4.5.2000/Seiten 64+65), KÖLNER EXPRESS (Ausgabe Ostern 2000/Seite 39), FINANCEL TIMES (29.5.2000/Seite 23)
Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 458 vom 09.06.2000
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