Sanierungsexpertin Dr. Nicole Essiger-Munk, Politikwissenschaftlerin
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Gutachten von Dr. Nicole Munk bringt Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen CoBra ins Rollen - Wirtschaftsmagazin PlusMinus berichtet und Börsenaufsicht will prüfen
„CoBra übernehmen Sie“ - Teil II:
Staatsanwaltschaft ermittelt
ARD-Magazin läßt von Nicole Munk ins Rollen gebrachten Stein zum Felsbrocken werden
Banken- und Börsenaufsicht prüfen - „Saubermann“ hat doppelt abkassiert

(kgg/gö) Die Schlinge, die die 24jährige Nicole Munk mit ihrem Gutachten um den Hals der CoBra - das Unternehmen plant die feindliche Übernahme der Commerzbank - geschnürt hat, zieht sich zu (die SZ berichtete in der letzten Ausgabe). Bereits am Dienstag dieser Woche sendete das ARD-Wirtschaftsmagazin „PlusMinus“ einen Beitrag, der die mehr als fragwürdigen Machenschaften des Ex-Bankers Ludwig Poullain mit der Rebon B.V. (dahinter stehen die CoBra-Leute Vedder und Ziems) bei der Übernahme der EWS-Gruppe beleuchtete. Und das ist erst der Anfang, denn gleichzeitig hat die Rödgener Unternehmensberaterin zusammen mit dem Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Dieter A. Hikel ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht Bielefeld eingereicht. Darüberhinaus hat Munk ihr 318-seitiges Rechtsgutachten, das Ludwig Poullain schwere Pflichtverletzungen bei seiner Tätigkeit als Generalbevollmächtigter und Treuhänder der EWS sowie gemeinsames Paktieren mit den Finanzhaien Vedder & Co. nachweist, an die Berliner Bankenaufsicht weitergeleitet. Auch die Bundesaufsicht für den Wertpapierhandel muß den Verdacht der Insidergeschäfte überprüfen.

Vorzeigebänker lügt und schaufelt sich sein eigenes Grab

Wundersame Geldvermehrung, so könnte man die Geschichte um den Recycling-Konzern EWS (Euro Waste Service) betiteln, bei der Finanzmakler Clemens Vedder und seine Mitstreiter das milliardenschwere Recycling-Unternehmen für NULL Mark kauften, nach eigenen Angaben 150 Millionen investierten, um dann wenig später nur mit dem Verkauf einer Tochtergesellschaft des Konzerns mehr als doppelt so viel, nämlich 335 Millionen Mark, zu verdienen. Schlüsselfigur dieses Verkaufs-Pokers ist der Mann, der die Transaktion möglich machte: der 80jährige Dr. h.c. Ludwig Poullain, Ex-Chef der Westdeutschen Landesbank. Auch für ihn war der Verkauf des Grosskonzerns ein wahrer Geldsegen, er hat nämlich gleich doppelt abkassiert: Nicht nur acht Millionen Mark von der EWS als Honorar für seine Generalvollmacht und Treuhänderschaft sondern auch von den Käufern der EWS (Gebr. Löbbert) „für erbrachte Beratungsleistungen“ bei den Verkaufsverhandlungen zusätzlich 5,8 Millionen Mark. Diese landeten auf einem Konto seiner Firma „neue Raben“.
Und trotz dieser eindeutigen Schieflage beharrt Poullain immer noch auf seinen Standpunkt, dass er seine Vollmachten nie überschritten, sondern nur „im Interesse seiner Klienten“ gehandelt habe. Warum er allerdings die EWS-Gruppe mit 1,8 Milliarden Mark Umsatz pro Jahr - er selbst hatte bei seinem Amtsantritt das Unternehmen auf einen Wert von 400 Millionen Mark beziffert - für einen absoluten Dumpingpreis verscheuert hat, darauf weiss er keine Antwort zu geben. Noch undurchsichtiger wirkt Poullains Handeln angesichts der Tatsache, dass er vorher sogar die 42 Gläubiger-Banken dazu gerbacht hatte, auf die Rückzahlung von Krediten an die EWS in Höhe von 600 Millionen Mark verzichten.
In eine Falle ließen die Journalisten des Magazins PlusMinus den Hobbysegler tappen. Sie besuchten ihn auf seiner 1,8 Millionen teuren Segelyacht „Saida“ die im Hafen von Bonifatio (Korsika) ankerte. Während eines Interviews stellten sie ihm die Frage, ob es mit Vedder & Co. eine Honorar-Vereinbarung für Beratungsleistungen beim Kauf der EWS gäbe, erklärte er: „Es gibt keine Vereinbarungen, dass ich von denen irgendeinen Betrag bekomme. Ich habe auch keinen bekommen, und ich werde von denen auch keine Mark entgegennehmen“. Diese wörtliche Aussage wird für Poullain schwere Folgen nach sich ziehen, denn sie ist schlicht unwahr, also gelogen. Denn zwischenzeitlich hatte Nicole Munk der ARD die Kopie eines Vertrages zukommen lassen, nach dem sich die „Delta Hundertsechsundsiebzig GmbH“ (Vedder & Co.) dazu verpflichtet hat, an Poullains Firma „neue Raben“ 5,8 Millionen Mark für erbrachte Beratungsleistungen zu bezahlen. Ebenfalls existiert hierfür eine Rechnung (Foto unten). Dies ist der klare Beweis, dass Poullain nicht nur seine Mandanten verraten, sondern auch noch doppelt abkassiert hat. Wie Poullain zwischenzeitlich verlauten ließ, will er die 5,8 Millionen an die Ex-Besitzer der EWS überweisen.
Wahrscheinlich ist sein Urlaub auf Korsika damit vermiest und ohnehin bald vorbei. Denn der Partner von Nicole Munk, Rechtsanwalt Dr. Dieter Hikel, hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft dazu aufgefordert, per Beschlagnahmung Poullains Rechnungsbelege und Berichte, die er bisher den Löbberts schuldig geblieben ist, sicherzustellen, bevor der Banker diese Dokumente in seinem und auch im Interesse der CoBra-Clique verschwinden lässt.
Auch steht der Vorwurf einer kriminellen Vereinigung im Raum. Sollte die Staatsanwaltschaft in dieser Richtung ermitteln, und davon ist auszugehen, dürfte es der Commerzbank-Connection Poullain, Vedder und Ziems bald auch von der zivilrechtlichen Seite an den Kragen gehen. Zukünftige Dollartransaktionen könnten dann ganz schnell von gemeinschaftlichem Tütenkleben in gesiebter Luft abgelöst werden.
Eine Frage bleibt natürlich offen. Haben die Vorstände der 42 Gläubigerbanken bei ihrer 600-Millionen-Schenkung ihre Hände in Unschuld gewaschen oder diese durch die munteren Vierlinge mit Moneten kräftig massiert bekommen?
Um dies zu erforschen hätte die Rödgener Marathonläuferin bei ihrem nächsten Frankfurt-Marathon genau 42 Kilometer Zeit um bei jeder Bank vorzusprechen. Eine persönliche Bestzeit dürfte sie dabei wohl kaum erreichen. Außerdem müßte das Ziel dann vom Römer an den Kaiserplatz verlegt werden, denn dort in der Commerzbank-Zentrale wird Nicole Munk dann sicherlich mit offenen Armen in der Chefetage empfangen. Und wenns nötig ist, sogar am Sonntag.
Auf jeden Fall ist dieses Thema brandheiß und wird in den nächsten Wochen noch für so manche Schlagzeile in den Gazetten sorgen.
Wie uns von der ARD mitgeteilt wurde, wird man dort ebenfalls weiter recherchieren und in der Sendung PlusMinus berichten. Genaue Sendetermine konnte man noch nicht mitteilen, aber es dürfte sich lohnen, jeden Dienstag abend das Magazin PlusMinus einzuschalten.

Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 459 vom 16.06.2000

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